Behandlungsschwerpunkte

Anpassungs- & Belastungsstörungen  inklusive PTBS

Erkrankung

Anpassungs-und Belastungsstörungsbilder treten oft nach besonderen Stresssituationen auf, z. B. nach einer Trennung, einem Arbeitsplatzverlust oder ähnlichen Ereignissen. 

Eine Sonderform ist die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), die in der Folge eines extrem belastenden Erlebnisses auftreten kann. 

 
Wendelstein Klinik Anpassungsstörung
Anpassungsstörung

Bei einer Anpassungsstörung steht der Beginn der Symptome im zeitlichen Zusammenhang mit dem auslösenden Ereignis. Die Symptome treten meist innerhalb eines Monats, aber nicht später als 6 Monate nach Ende der Belastung auf. Die Symptomatik ist vielgestaltig, zeigt sich in Depressions- oder Angstsymptomen, Schmerzzuständen, Erschöpfung oder auch aggressivem Verhalten. 

Therapie

Die Behandlung ist symptomorientiert, z. B. werden bei depressiver Symptomatik zum einen die üblichen Behandlungsmethoden der Depression angewendet (siehe S3-Leitlinie Depression, https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/nvl-005.html), zum anderen kommen aber bewährte psychotherapeutische Maßnahmen wie zum Beispiel Aktivitätenaufbau, Förderung sozialer Kontakte oder das Hinterfragen dysfunktionaler Gedanken zur Anwendung. Bei Vorliegen von Ängsten wiederum wendet man die entsprechenden verhaltenstherapeutischen Techniken an – je nachdem, welcher Symptomenkomplex im Vordergrund steht. Manchmal kann auch die Gabe antidepressiver Medikation sinnvoll sein. 

 
Wendelstein Klinik PTBS
Posttraumatische Belastungsstörung 

Die Posttraumatische Belastungsstörung beschreibt die psychischen und körperlichen Folgen, die nach außergewöhnlichen Erlebnissen auftreten können. Dies können z. B. sexuelle Übergriffe sein, Kriegs- oder Foltererfahrungen, ebenso sekundäre Traumata wie z. B. das Beobachten eines Mordes als Zeuge. Auch Naturkatastrophen können Traumata auslösen, wobei aber sogenannte „man made disasters“, also direkt von Menschen zugefügte Schädigungen, meist größere Beeinträchtigungen auslösen. 

Diese Erlebnisse gehen meist mit dem Erleben extremer Hilflosigkeit oder Todesangst einher. 

Die Patienten haben Flashbacks die zum Beispiel vor dem geistigen Auge das Bild des Täters entstehen lassen, oder es kommt zu einem prägenden Vermeidungsverhalten (z. B. dass man es nach einem schweren Motorradunfall nicht mehr wagt, an der Unfallstelle vorbeizufahren). Auch  der Versuch belastende Erinnerungen einfach mental wegzuschieben, ist ein häufig gezeigtes Verhalten, während sich eine Übererregung durch unübersehbare Nervosität, Zittrigkeit oder erhebliche Schlafstörungen erkennbar macht.

Viele Menschen können Traumata bewältigen und die Erinnerung daran ohne schwerwiegende Folgen verarbeiten und integrieren. Bei besonderer Disposition oder unter ungünstigen Bedingungen (wenig soziale Unterstützung, Arbeitslosigkeit, Häufung traumatischer Ereignisse, besondere Schwere der Traumatisierung) kann sich das Leiden aber chronifizieren, sodass eine stationäre Therapie erforderlich wird. 

Bei der sogenannten Komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung, die nur nach fortgesetzten oder außerordentlich schweren Traumata auftritt, haben die Patienten Schwierigkeiten, ihre Gefühle zu regulieren. Diese erfordert oft eine langwierige Behandlung. 

Therapie

Die Behandlung der PTBS ist vor allem psychotherapeutischer Natur, manchmal ist die zusätzliche Gabe von Antidepressiva wie z.B. sogenannter SSRI erforderlich. 

Zuallererst geht es darum, Sicherheit zu schaffen (z. B. ist es meist nicht förderlich, wenn eine Frau noch mit ihrem Vergewaltiger zusammenlebt) – die Therapie muss wie ein sicherer Hafen sein. 

In einem weiteren Schritt geht es um Stabilisierung, z. B. Durchführung einfacher Atem- oder Vorstellungsübungen, die letztlich das allgemeine Stresslevel reduzieren sollen. 

Hernach kann versucht werden, mittels bestimmter konfrontativer traumabearbeitender Techniken die traumatische Erinnerung nachzubearbeiten, neu zu verankern und das Trauma letztlich zu integrieren. 

Ein verbreitetes traumabearbeitendes Verfahren, das auch wir einsetzen, ist das EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing). Dabei wird das Trauma verarbeitet, indem man sich intensiv daran zurückerinnert, begleitet von bestimmten vom Therapeuten induzierten Bewegungen der Augen. Die Wirksamkeit ist in zahlreichen Studien belegt. EMDR eignet sich besonders für schwerwiegende Einzeltraumata. 

Bei der hartnäckigeren und schwieriger zu behandelnden komplexen PTBS hingegen muss mehr zusätzliche Zeit aufgewendet werden, um den Patienten immer wieder zu stabilisieren und aufzufangen. 

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