Behandlungsschwerpunkte

Suchterkrankungen

 
Erkrankung

Unter den Abhängigkeitserkrankungen ist die Alkoholabhängigkeit am weitesten verbreitet. 

Des Weiteren begegnet man im klinischen Alltag der Abhängigkeit von Opiaten, Kokain, Stimulanzien wie Amphetamin oder Ecstasy, Cannabis, Halluzinogenen, neuen psychoaktiven Substanzen und Tabakabhängigkeit. 

Häufig kommt auch eine Abhängigkeit von Medikamenten vor. Meist sind das Benzodiazepine wie Lorazepam (z. B. Tavor) oder Diazepam. 

Die Alkoholabhängigkeit als wichtigste Suchterkrankung verläuft in der Regel chronisch rezidivierend (wiederkehrend) und verursacht immense Gesundheitskosten. Sie zählt zu den wichtigsten Risikofaktoren für den Verlust unbeeinträchtigter Lebensjahre. 

Fast 3 % der Allgemeinbevölkerung ab 18 sind alkoholabhängig. 

Wendelstein Klinik Suchterkrankungen
Therapie

Die Behandlung bei Abhängigkeitserkrankungen verläuft in Phasen. Sie beginnt mit der Motivationsphase, in der der Patient lernen soll, die Schattenseiten der Sucht zu erkennen und sich ernsthaft mit der Suchterkrankung auseinanderzusetzen. Dann findet die eigentliche Entzugsbehandlung statt. Anschließend beginnt die Psychotherapie, in der ein alternativer Umgang mit der Sucht erarbeitet werden soll. Hier hat sich die motivierende Gesprächsführung nach Miller und Rollnick (2009) als sehr hilfreich erwiesen. Hierbei geht es um eine empathische Grundhaltung, bei der auf Konfrontation des Patienten verzichtet wird und stattdessen erste Schritte hin zur Veränderung gefördert werden. Nach der eigentlichen Entzugsbehandlung ist es oft sinnvoll, eine Rehabehandlung in einer spezialisierten Rehaklinik anzuschließen. Diese sogenannte Entwöhnung ist meist längerfristiger angelegt als der eigentliche Entzug, den man in relativ kurzer Zeit (ca. 7-14 Tage) bewältigen kann. In der Nachsorge schließlich wird versucht, die erreichten Fortschritte auch ambulant zu stabilisieren. 

Man weiß mittlerweile, dass eine mindestens einjährige engmaschige ambulante Nachsorge entscheidend ist, um eine dauerhafte Abstinenz zu erreichen. 

Im Entzug wird üblicherweise ein erprobter Ersatzstoff verabreicht, den man genau dosieren kann. Er wird – angepasst an die Symptomatik des Patienten – schrittweise reduziert und ausgeschlichen. Dieses schrittweise Abdosieren des Ersatzstoffes ist überaus wichtig, weil bei abruptem Entzug manchmal gefährliche Komplikationen auftreten können, z. B. ein sogenannter „Entzugskrampfanfall“. Treten trotz des schrittweisen Abdosierens schwerwiegende Entzugssymptome auf, werden diese entsprechend behandelt (z. B. erhöhter Blutdruck mit Antihypertensiva). 

Bei Suchtstoffen, bei denen es keinen eigentlichen Ersatzstoff gibt, muss man sich darauf beschränken, die Entzugssymptome zu behandeln (z. B. auftretende Depressivität mit einer antidepressiven Substanz). 

 

Wir sind in der Lage, in der WENDELSTEIN KLINIK unkomplizierte Entzugsbehandlungen durchzuführen. Bei einem bestimmten Grad der Vergiftung durch den Suchtstoff – z. B. bei Alkohol-Intoxikationen ab ca. 2,5 bis 3 Promille – müssen wir den Patienten allerdings zur Sicherheit verlegen. Das nahegelegene somatische Krankenhaus, mit dem wir in solchen Fällen eng zusammenarbeiten, verfügt hier über umfangreichere medizinische Überwachungsmöglichkeiten. Zur Folgebehandlung ist eine Rückübernahme zu uns jedoch oft zeitnah möglich, meist sogar bereits am nächsten Tag. 

Opiatentzüge können in unserer Klinik hingegen in der Regel nicht durchgeführt werden, weil hierzu meist ein spezialisiertes Setting erforderlich ist. Kokain- und Amphetaminentzüge oder Entzüge von Halluzinogenen und neuen psychoaktiven Substanzen (NPS) sind im Einzelfall möglich. 

Störungen durch Cannabis können üblicherweise meist ambulant behandelt werden. 

Spätestens aber wenn bei der Cannabisabhängigkeit eine schwere psychiatrische Komorbidität vorliegt (d. h. weitere Erkrankungen hinzukommen) – z. B. eine Angst- oder Persönlichkeitsstörung, eine Depression, eine Psychose oder ADHS, bei fehlender Tagesstruktur, sozialer Desintegration bzw. fehlender Unterstützung, ausgeprägten zusätzlichen beruflichen oder Partnerschaftsproblemen, extrem hohem Konsum oder Konsum mehrerer Substanzen, bei zusätzlichen Problemen wie Selbstverletzungen oder Suizidalität – kann es erforderlich sein, die Behandlung z. B. bei uns stationär durchzuführen. Im klinisch-psychiatrischen Alltag begegnet man häufig Patienten, die nach einer Cannabiseinnahme schwere Psychosen oder verwandte Störungen entwickelt haben. 

Bei der Medikamentenabhängigkeit sind Benzodiazepine die kritischsten Substanzen. Oft kehren nach dem Absetzen die Symptome, deretwegen das Medikament ursprünglich eingenommen wurde, rasch zurück. Hauptsächlich sind das Ängstlichkeit, Panikattacken, Schlafstörungen oder Ähnliches. Der Entzug gestaltet sich daher oft langwierig und schwierig. 

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