Behandlungsschwerpunkte

Psychische Störungen des höheren Lebensalters

Die Demenz und die Depression sind die häufigsten psychischen Erkrankungen des höheren Lebensalters – oft im Zusammenhang mit beispielsweise Angst vor körperlichen Erkrankungen oder dem Tod. Gerade älteren Menschen fällt es aber meist schwer, seelische Probleme anzusprechen, zu beschreiben und als krankhaft zu bewerten. Dennoch gilt auch für psychische Erkrankungen im Alter: Je früher sich ein Patient in Behandlung begibt, desto größer sind die Chancen auf Erfolg. 

Da psychische Störungen bei älteren Menschen oft auch durch körperliche Erkrankungen überlagert werden, ist die richtige diagnostische Zuordnung anspruchsvoll. 

 
Wendelstein Klinik
Depression

Bei der Depression empfinden Betroffene weniger Lebensfreude, ihre Gefühle „erstarren“ regelrecht. Sie leiden unter einem verminderten Antrieb, und selbst Aufgaben, die in gesunden Tagen stets leichtgefallen sind, wirken jetzt unlösbar. Hinzu kommen häufig Schlafstörungen und ein Mangel an Appetit – beides schwächt den gesamten Körper weiter. Weil sich dadurch auch das Gedächtnis verschlechtern kann, besteht häufig zunächst der Verdacht auf eine Demenz. Durch die enge Verbindung von Angsterkrankungen und Depressionen bei älteren Menschen werden Betroffene in bestimmten Situationen von einer Angst übermannt, die sie sich nicht erklären können. Dies führt zum Rückzug, die Patienten trauen sich immer weniger zu – ein Teufelskreis. 

Therapie

Medikamente, mit denen die Depression behandelt wird (sogenannte Antidepressiva), können auch gegen die Angst helfen. Ebenso gibt es jedoch moderne psychotherapeutische Behandlungsansätze für ältere und alte Menschen. Ergänzend sind Ergotherapie, Physiotherapie und Entspannungsverfahren hilfreich. Regelmäßige körperliche Aktivität kann den Erkrankungsverlauf positiv beeinflussen und sollte unbedingt zum Therapiekonzept gehören. 

Wendelstein Klinik Demenz
Demenz

Die Demenz ist ein krankheitsbedingtes erworbenes Defizit in den Leistungsfähigkeiten höherer Gehirnfunktionen. Auffallend sind bei diesem Krankheitsbild Störungen des Gedächtnisses, der Orientierung und der Sprache. Auch die emotionalen und sozialen Fähigkeiten können zunehmend beeinträchtigt sein. Die Ursachen für eine Demenz sind unterschiedlich. So muss bei der Diagnostik zwischen primären Demenzen (z. B. der häufigen Alzheimer-Demenz) und sekundären Demenzformen (z. B. Raumforderung im Gehirn) unterschieden werden. 

Das Risiko einer Demenzerkrankung steigt mit zunehmendem Alter. Etwa 5 % erhalten die Diagnose im Alter von 65, bei den 90-jährigen Patienten sind es bereits 30 %. Auch bei Demenz gilt: Je früher die Diagnose gestellt wird, desto höher ist die Chance eines Behandlungserfolgs. 

Therapie

Bei der Behandlung stehen medikamentöse und sozial-psychiatrische Ansätze im Vordergrund. Die Gabe sogenannter Antidementiva bei einigen Demenzformen hat das Ziel, den Erkrankungsverlauf und den Funktionsverlust im Alltag zu verlangsamen. Zur Behandlung gehören auch eine spezialisierte Ergotherapie sowie ein Alltagstraining. Angehörige, die mit Demenzerkrankten häufig völlig überfordert sind, können in Angehörigen-Gruppen die Unterstützung bekommen, die sie brauchen. 

 
Wendelstein Klinik Abhängigkeit
Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit

Es ist davon auszugehen, dass ca. 27 % der älteren Männer und 8 % der älteren Frauen einen erhöhten und damit gesundheitsschädlichen Alkoholkonsum aufweisen. Körperliche Folgestörungen sind häufig eine Leberzirrhose oder das sogenannte Korsakow-Syndrom. Oft schlafen ältere Menschen auch schlechter und nehmen daher z. B. Schlaf-, Beruhigungs- oder Schmerzmittel ein, die bereits in geringeren Dosen zu körperlicher und psychischer Abhängigkeit führen können. Bei fast 2 Mio. Menschen im Alter über 60 Jahren ist ein schädlicher Gebrauch von Beruhigungs- und Schlafmittel zu verzeichnen. Mehr als ein Drittel der Medikamenten-Abhängigen beginnt den Missbrauch zwischen dem 51. und 60. Lebensjahr. 

Therapie

Näheres zur Therapie der Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit finden Sie im Abschnitt über Suchterkrankungen. 

 
Wendelstein Klinik Akute Verwirrtheit
Akute Verwirrtheit (Delir)

Beim Delir handelt es sich um ein akutes organisches Psychosyndrom mit vielen klinischen Facetten und ganz unterschiedlichen möglichen Ursachen. Im Alter sind das häufig eine verschlechterte Hirndurchblutung bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselveränderungen bei Diabetes, Mangel an Elektrolyten oder aber auch die vielfältigen Wechsel- und Nebenwirkungen von Medikamenten. Ebenso können Entzug oder Vergiftungen zu einem Delir führen, beispielsweise bei einer Abhängigkeit von Alkohol oder Benzodiazepin oder beim Ab- bzw. Ansetzen von Schmerzmitteln. Anders als bei einer Demenz, die schleichend beginnt, tritt beim Delir die sehr unterschiedlich zusammengesetzte Symptomatik plötzlich auf. Häufige Symptome sind Störungen des Bewusstseins und der Aufmerksamkeit, der Wahrnehmung des Denkens, des Gedächtnisses, der Psychomotorik und Emotionalität. Auch ein gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus sowie körperliche Symptome wie Schwitzen, Bluthochdruck und schneller Puls können vorliegen und machen aus dem Delir eine potentiell lebensbedrohliche Situation. Tritt bei einem alten Menschen eine plötzliche Veränderung des Bewusstseins, der kognitiven Leistung sowie des Affekts ein, sollte stets auch an ein Delir gedacht werden. 

Man kann im Einzelnen ein hyperaktives Delir mit gesteigerter motorischer Unruhe, Rastlosigkeit und ungeduldigem bis aggressivem Verhalten abgrenzen von einem hypoaktiven Delir mit motorischer und kognitiver Verlangsamung, reduzierter Aktivität sowie Antriebslosigkeit bis zur Apathie (Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, 2020). 

Therapie

Zur Diagnosestellung erfolgt zunächst die genaue Befragung (Anamnese) inklusive Erhebung der Medikamenten-, Alkohol- und Drogenvorgeschichte. Ergänzend wird körperlich untersucht und ggf. Labordiagnostik und eine zerebrale Bildgebung durchgeführt. Möglicherweise delirauslösende Medikamente müssen abgesetzt werden. 

Neben der medikamentösen Behandlung muss vor allem Reizüberflutung vermieden werden – dazu gehört auch ein häufiger Wechsel in den Bezugspersonen. Wenn die Möglichkeit besteht, sollten Angehörige deshalb mit aufgenommen werden (Rooming-in). 

Die medikamentöse Therapie wird je nach Schweregrad ausgewählt. 

Beim unkomplizierten hyperaktiven Delir kommen Substanzen wie Melperon oder Pipamperon zum Einsatz, beim Alkoholentzug auch Benzodiazepine. 

Bei sogenannten inhaltlichen Denkstörungen kommen ausnahmsweise auch hochpotente Antipsychotika zur Anwendung. Schwerere Delirformen müssen teils intravenös unter 

Monitorkontrolle behandelt werden. Dafür verlegen wir die Patienten vorübergehend in ein somatisches Fachkrankenhaus. 

Selten sind im Alter bipolare Störungen oder Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis. 

 
Sie möchten sich über die passenden Therapieangebote informieren?