Wie verbreitet sind Depressionen und andere psychische Störungen nach Covid-19-Infektion?

Aktualisiert: 12. Okt. 2021


Wendelstein Klinik Depression
Wendelstein Klinik Depression

Kürzlich wurde eine spannende Meta-Analyse veröffentlicht (Meta-Analysen „poolen“ verschiedene Untersuchungen zu einem Thema und werten sie nach bestimmten Kriterien aus).

Cénat und Kollegen (Cénat et al. 2021) studierten 2189 Artikel zu der Thematik, nach verschiedenen Filterungen blieben noch 55 Studien übrig, die für die Meta-Analyse verwendet werden konnten.

Es sei daran erinnert, dass (Stand 2. Mai 2021) weltweit ca. 152 Millionen Menschen an Covid-19 erkrankt sind, davon starben bisher fast 3,2 Millionen Menschen (Johns Hopkins University 2021).

Cénat und Kollegen berichten, dass schon frühere Studien gezeigt haben, dass Ausbrüche von infektiösen Erkrankungen häufig assoziiert sind mit verschiedenen psychischen Störungen, z.B. Depression, Angst, posttraumatische Belastungsstörung und Schlafstörungen.

Häufig entstehen Ängste und Stress in Verbindung mit dem Risiko, selbst infiziert zu werden, dem Tod geliebter Personen, der Infektion geliebter Personen, sozialer Isolation, Einsamkeit, physischer und emotionaler Erschöpfung von im Gesundheitssystem Tätigen, Jobverlust, finanzieller Unsicherheit, Armut, einem Übermaß an Information zu dem Thema in den Medien usw. Entstehen können Angststörungen, Depressionen, Schlafstörungen, Somatisierungsstörungen, soziale Phobien, PTBS, Zwangsstörungen, Selbstverletzung und Suizidneigung.

Die genannte Meta-Analyse fand folgendes heraus: Die Prävalenz – also die Rate der zu einem bestimmten Zeitpunkt oder in einem bestimmten Zeitabschnitt an einer bestimmten Krankheit Erkrankten (im Vergleich zur Zahl der Untersuchten) – an Depression war in Populationen, die von Covid-19 betroffen Populationen waren, mehr als dreimal so hoch (15,97%) wie in der Allgemeinbevölkerung (4,4%), viermal so hoch für Angststörungen (15,15% vs. 3,6%) und fünfmal so hoch für PTBS (21,94% vs. 4%). Auch Schlafstörungen und Persönlichkeitsstörungen treten häufiger auf. Interessanterweise ergaben sich hier keine Unterschiede zwischen betroffenen Frauen und Männern in Bezug auf psychische Störungen.

Man untersuchte auch besonders die Gruppen von im Gesundheitssystem Tätigen. Im Vergleich zu anderen betroffenen Gruppen ergab sich hier aber kein Unterschied, mit Ausnahme häufigerer Schlafstörungen. Die Covid-19-Pandemie hat also nicht nur körperliche, sondern auch erhebliche psychische Folgen. Falls Sie infolge der Covid-19-Pandemie die o.g. psychischen Erkrankungen entwickelt haben sollten, könnte ein stationärer Aufenthalt bei uns sinnvoll sein. Fragen Sie Ihren behandelnden Hausarzt oder Psychiater!



Literatur:

Cénat JM, Blais-Rochette C, Kokou-Kpolou CK, Noorishad P-G, Mukunzi JN, McIntee S-E, Dalexis RD, Goulet M-A, Labelle PR. Prevalence of symptoms of depression, anxiety, insomnia, posttraumatic stress disorder, and psychological distress among populations affected by the COVID-19 pandemic. A systematic review and meta-analysis. Psychiatry Res 2021; 295: 113599.

49 Ansichten

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen